Methode und Grenzen
Wie aus 30 Antworten eine Zahl wird, warum diese Zahl einen Bereich braucht, und was der Test ausdrücklich nicht kann.
Was gemessen wird
Der Test schätzt, wie gut jemand Regeln in unbekanntem Material erkennt und anwendet. Das in fünf Bereichen mit je sechs Aufgaben: logisches Schliessen an figuralen Matrizen, numerisches Denken an Zahlenfolgen, sprachliches Denken an Bedeutungsbeziehungen, räumliches Vorstellungsvermögen an Faltungen und Drehungen, schlussfolgerndes Denken an Bedingungsaufgaben.
Dazu gehört auch die Aufzählung dessen, was fehlt: Wissen, Kreativität, Ausdauer, soziale Kompetenz, Motivation, Sorgfalt. Diese Eigenschaften entscheiden im Leben mindestens so viel wie das, was hier gemessen wird.
Woher die Aufgaben kommen
Alle Aufgaben werden von einem Programm erzeugt, nach explizit formulierten Regeln. Kein Item stammt aus einem urheberrechtlich geschützten Testverfahren. Das heisst zweierlei. Es lassen sich beliebig viele Parallelformen bauen, sodass ein zweiter Durchgang andere Aufgaben zeigt. Und die Schwierigkeit jeder Aufgabe ist aus ihrer Konstruktion bekannt: wie viele Regeln gleichzeitig wirken, wie gross der Suchraum ist, wie nah die Ablenker an der Lösung liegen.
Die Ablenker sind dabei wichtiger als die Lösung. Eine Aufgabe, deren falsche Antworten offensichtlich falsch sind, misst nichts. Bei jeder Aufgabe ist deshalb mindestens ein Ablenker so gebaut, dass er alle Regeln bis auf eine erfüllt.
Wie gerechnet wird
Die Auswertung nutzt ein Zwei-Parameter-Modell der Item-Response-Theorie mit Rate-Korrektur. Jede Aufgabe hat zwei Kennwerte: eine Schwierigkeit und eine Trennschärfe. Die Wahrscheinlichkeit, eine Aufgabe zu lösen, hängt vom Abstand zwischen Ihrer Fähigkeit und der Schwierigkeit der Aufgabe ab.
Bei sechs Antwortmöglichkeiten führt auch Raten manchmal zum Erfolg, deshalb kommt eine Rateuntergrenze hinzu. Ohne sie lägen alle Werte systematisch zu hoch. Geschätzt wird die wahrscheinlichste Fähigkeit unter Berücksichtigung einer Standardnormalverteilung als Vorwissen. Damit läuft weder ein perfektes noch ein leeres Ergebnis rechnerisch ins Unendliche.
Der geschätzte Wert wird auf die übliche Skala abgebildet: Mittelwert 100, Standardabweichung 15.
Warum jeder Wert einen Bereich braucht
Aus der Schätzung folgt neben dem Wert auch seine Genauigkeit. Der mittlere Standardfehler liegt bei 6.4 IQ-Punkten. Der 95-Prozent-Vertrauensbereich ist damit rund 25 Punkte breit. Wer 112 erreicht, hat einen wahren Wert, der mit hoher Wahrscheinlichkeit zwischen 100 und 124 liegt.
Diese Zahlen stammen aus einer Messung. Viertausend simulierte Personen mit bekannter Fähigkeit haben den Test durchlaufen, und daraus ergaben sich: eine Korrelation von 0.898 zwischen wahrem und geschätztem Wert, ein Bias von 0.5 Punkten, und ein 95-Prozent-Bereich, der den wahren Wert in 94.3 Prozent der Fälle einschliesst.
Jeder Wert steht deshalb mit seinem Bereich da, und Teilbereichswerte sind gröber gerundet als der Gesamtwert: Bei sechs Aufgaben je Bereich wäre alles andere vorgetäuschte Genauigkeit.
Die Referenzverteilung, und was an ihr provisorisch ist
Die Einordnung stützt sich auf das Rechenmodell und auf eine wachsende eigene Stichprobe der hier abgegebenen Tests. Sie stützt sich nicht auf eine repräsentative Erhebung in der Schweizer Bevölkerung. Wer hier testet, ist nicht zufällig ausgewählt: Menschen, die freiwillig einen IQ-Test im Internet suchen, sind im Schnitt interessierter, jünger und formal höher gebildet als der Durchschnitt.
Das bleibt so stehen, bis genug Daten vorliegen, um die Schwierigkeitskennwerte der Aufgaben datenbasiert nachzukalibrieren. Bis dahin gilt: die Einordnung ist eine gute Näherung, keine Normierung im testtheoretischen Sinn.
Die Grenzen, unmissverständlich
Dieses Ergebnis ist ein Orientierungswert aus einem Online-Kurztest. Es ist kein klinisch-diagnostisches Gutachten und taugt nicht als Grundlage für eine schulische Einstufung, eine Personalauswahl oder die Abklärung einer Hochbegabung.
Ein Wert kann aus vielen Gründen um mehrere Punkte schwanken:
- Tagesform, Schlaf, Koffein, Tageszeit
- Unterbrechungen und Ablenkung während des Tests
- Vertrautheit mit Aufgabentypen dieser Art, also Übung
- Bildschirmgrösse und Lesbarkeit der Figuren
- Sprachkenntnisse, besonders im sprachlichen Teil
- Zeitdruck, der manche stärker trifft als andere
Wenn Sie eine verbindliche Abklärung brauchen, wenden Sie sich an eine Fachperson. In der Schweiz sind das für Kinder und Jugendliche die Schulpsychologischen Dienste der Kantone und für Erwachsene Fachpsychologinnen und Fachpsychologen FSP.