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Bringen Gymi-Vorbereitungskurse etwas? Was die Studien zeigen

Die Studienlage zu Gymi-Vorbereitungskursen widerspricht sich. Woran das liegt, was Kurse kosten und was Sie mit weniger Geld selbst tun können.

Fast jede Antwort auf diese Frage im Schweizer Netz stammt von jemandem, der einen Kurs verkauft. Wir verkaufen keine Kurse und keine Nachhilfe. Wir haben deshalb kein Interesse daran, dass diese Antwort ja lautet, und auch keines daran, dass sie nein lautet.

Die verfügbaren Untersuchungen widersprechen sich.

Die Ausgangslage: 90 Prozent

In einer Befragung von rund 3‘000 Zürcher Jugendlichen gaben 90 Prozent an, mindestens einen Vorbereitungskurs besucht zu haben.

Bei einer Teilnahmequote von 90 Prozent ist ein Kurs kaum noch ein Vorsprung, eher eine Voraussetzung, um nicht ins Hintertreffen zu geraten. Die Bestehensquote selbst hängt zudem von der Zahl der verfügbaren Plätze ab: Sind sie begrenzt, steigt die Quote nicht, egal wie gut sich alle vorbereiten. Der Aufwand wächst für alle, der relative Vorteil bleibt derselbe.

Zwei Quellen, zwei Antworten

In unserer Faktenbasis stehen zwei Aussagen nebeneinander, die sich auf den ersten Blick ausschliessen. Eine Untersuchung aus dem Jahr 2017 weist einen Effekt von Vorbereitungskursen nach. Die NZZ berichtete demgegenüber, Kurse erhöhten die Erfolgschancen kaum.

Wir kennzeichnen das offen: Die Primärquellen dieser beiden Positionen haben wir für diesen Artikel nicht selbst eingesehen. Beide gelten in der Debatte als zitierfähig, und beide werden regelmässig zitiert, je nachdem, welche Seite gerade argumentiert. Anbieter zitieren die erste, Skeptikerinnen und Skeptiker die zweite.

Zwei seriöse Untersuchungen desselben Gegenstands können zu verschiedenen Ergebnissen kommen, ohne dass eine davon falsch gerechnet hat. Der Grund dafür steht im nächsten Abschnitt.

Warum sich die Studien widersprechen

Der Grund ist Selbstselektion: Wer freiwillig einen Vorbereitungskurs bucht, unterscheidet sich schon vor dem ersten Kurstag von wem, der keinen bucht. Die Familie hat das Verfahren früh verstanden. Sie hat die Anmeldefristen im Blick. Sie kann mehrere tausend Franken aufbringen. Das Kind bringt in der Regel eine Vorleistung mit, die den Aufwand überhaupt sinnvoll erscheinen lässt, und häufig auch eine eigene Motivation für das Ziel.

Vergleicht man nun die Kursgruppe mit der Nicht-Kursgruppe, misst man diese Unterschiede alle mit. Der Kurs bekommt gutgeschrieben, was zum Teil dem Elternhaus, der Vorleistung und der Motivation gehört. Je nachdem, wie stark eine Untersuchung für diese Vorunterschiede kontrolliert, fällt das Ergebnis anders aus. Genau daher kommt der Widerspruch.

Warum sich der Kurseffekt nicht sauber messen lässt

Sauber messen liesse sich der Kurseffekt nur so: Man nimmt eine grosse Gruppe angemeldeter Kinder, teilt sie per Zufall in zwei Hälften, schickt die eine Hälfte in den Kurs und die andere nicht, und vergleicht danach die Bestehensquoten.

Dieses Experiment wird niemand durchführen. Es hiesse, einer zufällig ausgewählten Hälfte eine Vorbereitung vorzuenthalten, von der die Eltern annehmen, sie helfe. Kein Kanton und kein Anbieter würde das verantworten.

Die Frage, ob Vorbereitungskurse wirken, ist mit den vorhandenen Daten nicht abschliessend zu beantworten, und sie wird es auf absehbare Zeit auch nicht sein. Eine Zahl, die trotzdem kursiert, beschreibt in der Regel eine Korrelation, keine geprüfte Wirkung.

Was ein Kurs kostet und was drin ist

Angebot Preis am Markt Was Sie dafür bekommen
Langzeitkurs über mehrere Semester CHF 1‘980 bis 3‘340 Gruppenunterricht, Material, Probeprüfungen, Betreuung
Intensivkurs in den Ferien tiefer, je nach Anbieter komprimierte Wiederholung, meist ohne Verlaufskontrolle
Online-Abonnement tiefe Monatsgebühr Aufgabenpool, Selbstlernbetrieb, keine Betreuung
Einzellektionen Stundenansatz gezielte Arbeit an einer bestimmten Lücke

Die Preisspanne von CHF 1‘980 bis 3‘340 ist die für die längeren Kursprogramme am Schweizer Markt übliche. Was Sie in dieser Spanne tatsächlich erhalten, unterscheidet sich stark: Gruppengrösse, Anzahl Probeprüfungen, Qualifikation der Kursleitung und die Frage, ob es eine individuelle Standortbestimmung zu Beginn gibt.

Der wichtigste Posten in einem guten Kurs ist selten der Stoff. Es ist die Gewöhnung an das Format, die Zeitkontrolle und die Rückmeldung zu korrigierten Arbeiten.

Was Sie mit weniger Geld selbst tun können

Massnahme Kosten Deckt ab
Stoffprogramme des Kantons herunterladen keine was überhaupt verlangt wird
Musterprüfungen mit Lösungen durcharbeiten keine Format, Aufgabentypen, Niveau
Prüfung unter Zeitbedingungen simulieren keine Tempo, Reihenfolge, Zeiteinteilung
Korrekturraster der Textproduktion anschauen keine worauf tatsächlich bewertet wird
Gespräch mit der Klassenlehrperson keine realistische Einschätzung der Ausgangslage
Einzellektionen für eine konkrete Lücke nach Aufwand genau das Fach, das nicht sitzt

Der Kanton Schwyz publiziert die Stoffprogramme für Deutsch, Mathematik, Französisch und Englisch sowie je eine Musterprüfung mit Lösungen. Der Kanton St. Gallen stellt Musteraufgaben, Korrekturraster und Kriterienraster für die Textproduktion bereit. Der Kanton Bern veröffentlicht Aufgaben früherer Aufnahmeprüfungen.

Der Satz des Kantons Schwyz dazu verdient es, wörtlich zitiert zu werden: Schülerinnen und Schüler, welche diesen Stoff beherrschen, sollten die Prüfung bestehen können.

Die Kostenfrage ist eine Zugangsfrage

Wenn ein verbreiteter Teil der Prüfungsvorbereitung zwischen CHF 1‘980 und 3‘340 kostet, dann ist der Zugang zu diesem Teil vom Budget einer Familie abhängig. Das betrifft die Bildungspolitik unmittelbar, in einem Verfahren, das über den Zugang zur Hochschulbildung mitentscheidet.

Die wirksamste Gegenmassnahme liegt bereits vor: Stoffprogramme, Musteraufgaben und Korrekturraster der Kantone sind öffentlich und kostenlos. Sie decken den inhaltlich wichtigsten Teil dessen ab, was ein Kurs anbietet. Was sie nicht ersetzen, ist die Betreuung und die regelmässige Rückmeldung.

Für Familien, die keine mehreren tausend Franken aufbringen können oder wollen, liegt der grösste Hebel in der Struktur: ein fester Wochentermin, echte Prüfungsbedingungen, ehrlich korrigierte Arbeiten.

Was auch eine perfekte Studie nicht beantworten würde

Selbst eine saubere Untersuchung mit Zufallszuteilung, die einen Effekt nachweisen würde, würde die Frage nicht beantworten, die Sie als Eltern stellen.

Eine Studie liefert einen Durchschnittseffekt über viele Kinder. Sie sagt nichts darüber, ob ein Kurs bei Ihrem Kind wirkt. Ein Durchschnitt kann aus einer Gruppe entstehen, bei der ein Kurs viel bewirkt, und einer zweiten, bei der er gar nichts bewirkt, und beide Gruppen erscheinen im Mittelwert als moderater Effekt.

Praktisch relevanter ist deshalb eine andere Frage: Gibt es eine konkrete, benennbare Lücke, und ist ein Gruppenkurs das passende Mittel dafür. Wer die Bruchrechnung nicht sicher beherrscht, braucht gezielte Übung daran, nicht zwei Semester Rundumbetreuung. Wer den Stoff kann, aber unter Zeitdruck einbricht, braucht Prüfungssimulationen. Beides kostet sehr unterschiedlich viel.

Der Zeitpunkt zählt mehr als der Preis

Die teuersten Fehler entstehen seltener beim Preis als beim Zeitpunkt eines Kurses.

Ein Kurs, der vier Wochen vor der Prüfung beginnt, kann kein Wissen mehr aufbauen. Er kann das Format trainieren, die Zeiteinteilung schärfen und Sicherheit geben, und das ist nicht nichts. Verkauft wird er aber oft als inhaltliche Vorbereitung.

Umgekehrt bindet ein Kurs, der zwei Jahre vor dem Termin startet, über sehr lange Zeit Freizeit, Geld und Aufmerksamkeit für ein Ziel, das an einem Elfjährigen noch weit entfernt vorbeiläuft. Zwischen diesen beiden Extremen liegt das, was die Kantone selbst anbieten: ein publiziertes Stoffprogramm, an dem sich ablesen lässt, was fehlt, und Musterprüfungen, an denen sich das prüfen lässt. Mit dieser Information entscheidet es sich leichter, ob und wann ein Kurs sinnvoll ist.

Woran Sie einen brauchbaren Kurs erkennen

Falls Sie sich für einen Kurs entscheiden, sind drei Fragen nützlicher als jede Erfolgsstatistik im Prospekt.

Erstens: Gibt es zu Beginn eine Standortbestimmung, und was folgt daraus? Ein Kurs, der alle Teilnehmenden unabhängig vom Bedarf gleich behandelt, bietet kaum mehr als ein Lehrbuch. Zweitens: Wie viele Probeprüfungen werden unter realen Zeitbedingungen geschrieben und einzeln korrigiert zurückgegeben? Das ist der Teil, den man zu Hause am schwersten nachbaut. Drittens: Wie geht der Anbieter mit der Frage nach der Wirksamkeit um? Wer eine Bestehensquote nennt, ohne die Selbstselektion zu erwähnen, hat die Frage entweder nicht verstanden oder beantwortet sie nicht ehrlich.

Was wir Ihnen stattdessen anbieten

Unser Beitrag zu dieser Frage ist bewusst klein. Wir bieten einen kostenlosen Orientierungstest über fünf kognitive Bereiche, der 25 Minuten dauert. Er sagt Ihnen nicht, ob Ihr Kind die Gymiprüfung bestehen wird, und er ersetzt kein kantonales Verfahren.

Was er kann, ist eine Frage vor die Kursentscheidung zu stellen, die sonst oft danach kommt: Wo liegen die relativen Stärken, und wo liegt die Schwäche, an der man tatsächlich arbeiten müsste. Diese Information kostet nichts. Ohne sie bucht man leicht einen Kurs, der ein Jahr lang wiederholt, was ohnehin schon sitzt.

Häufige Fragen

Bringt ein Gymi-Vorbereitungskurs etwas oder nicht?

Die verfügbaren Untersuchungen kommen zu unterschiedlichen Ergebnissen, und der Grund dafür ist methodisch. Wer freiwillig einen Kurs bucht, unterscheidet sich schon vor dem Kurs von wem, der keinen bucht. Ein reiner Vorher-Nachher-Vergleich misst deshalb den Kurs und die Ausgangslage zusammen. Ohne Zufallszuteilung lässt sich der Effekt eines Kurses nicht sauber isolieren.

Was kostet ein Gymi-Vorbereitungskurs?

Am Schweizer Markt liegen die Preise für die längeren Kursprogramme zwischen rund CHF 1’980 und CHF 3’340. Dazu kommen je nach Anbieter Kosten für Material, Probeprüfungen und Einzellektionen. Günstigere Online-Abonnements gibt es ab wenigen Dutzend Franken im Monat, sie bieten allerdings etwas anderes als eine betreute Kursgruppe.

Warum besuchen dann so viele einen Kurs?

In einer Befragung von rund 3’000 Zürcher Jugendlichen gaben 90 Prozent an, mindestens einen Vorbereitungskurs besucht zu haben. Wenn fast alle einen Kurs machen, wird der Kurs zur Normalität und sein Nichtbesuch zum wahrgenommenen Nachteil. Das beschreibt eine soziale Dynamik, keine Aussage über die Wirkung.

Was kann man ohne Kurs konkret tun?

Mehrere Kantone stellen Stoffprogramme, Musteraufgaben, Lösungen und Korrekturraster kostenlos zur Verfügung, darunter Schwyz, St. Gallen und Bern. Damit lässt sich das Prüfungsformat unter realistischen Zeitbedingungen üben. Dazu kommt die Klassenlehrperson, die die Ausgangslage besser kennt als jeder externe Anbieter.

Verkauft Kognita Vorbereitungskurse?

Nein. Wir bieten einen kostenlosen Online-Orientierungstest und verkaufen dazu einen Auswertungsreport. Wir verkaufen keine Vorbereitungskurse, keine Nachhilfe und keine Lehrmittel. Das ist der Grund, warum wir bei der Frage nach der Wirksamkeit von Kursen kein Ergebnis brauchen.

Ist es unfair, wenn sich nicht alle einen Kurs leisten können?

Das ist eine bildungspolitische Frage, und sie ist berechtigt. Wenn ein verbreiteter Teil der Vorbereitung mehrere tausend Franken kostet, hängt der Zugang dazu vom Budget einer Familie ab. Ein Teil der Antwort liegt darin, dass die Kantone Stoffprogramme und Musterprüfungen öffentlich zugänglich machen, was die wichtigsten Inhalte kostenlos verfügbar hält.

Wie hoch ist Ihr eigener Wert? 30 Aufgaben, 25 Minuten, kostenlos und ohne Anmeldung. Test starten.