Eignungstests für die Lehrstelle: Multicheck, Basic Check und Stellwerk im Vergleich
Multicheck, Basic Check, Stellwerk und Berufs-Check im Vergleich: Kosten, Dauer, Kantone und was ein Eignungstest für die Lehrstelle wirklich misst.
Wer sich in der Schweiz auf eine Lehrstelle bewirbt, stösst früher oder später auf einen Eignungstest. Der Lehrbetrieb verlangt ein Multicheck-Zertifikat, die Schule führt das Stellwerk durch, und ab Mai 2026 kommt für einen Teil der Berufe der Basic Check dazu. Die drei Verfahren haben unterschiedliche Auftraggeber, kosten zwischen zehn und hundert Franken und beantworten unterschiedliche Fragen: welcher Test wofür da ist, wer ihn bezahlt, und was er über eine Bewerberin oder einen Bewerber tatsächlich aussagt.
Die vier Verfahren auf einen Blick
| Verfahren | Wer bestellt | Kosten | Dauer | Ort |
|---|---|---|---|---|
| Multicheck | die bewerbende Person, meist auf Wunsch des Betriebs | CHF 60 bis 100 | 1.5 bis 3.5 Stunden | Testcenter, über 35 Standorte |
| Basic Check | die bewerbende Person | CHF 100 | 2.5 bis 3.5 Stunden | Testcenter |
| Stellwerk | die Schule | CHF 10 pro Person | mehrere Lektionen | Schulzimmer |
| Berufs-Check | die bewerbende Person | gratis | 90 Minuten | ortsunabhängig |
Der Preisunterschied zwischen Stellwerk und Multicheck, zehn Franken gegen hundert für dasselbe Schuljahr und dieselbe Altersgruppe, erklärt sich aus dem Auftraggeber: Das Stellwerk kauft die Schule im Klassensatz ein, für den Multicheck bucht eine einzelne Person einen Termin in einem Testcenter mit Aufsicht, Identitätsprüfung und individuellem Zertifikat.
Was sich im Mai 2026 ändert
Der Anbieter gateway.one hält es wörtlich so fest: der Multicheck Gewerbe wird auf die Testperiode 2026/2027 hin eingestellt und durch den Basic Check ersetzt. Der Basic Check startet damit im Mai 2026. Abgelöst wird ausschliesslich die Gewerbe-Variante, eine Unterscheidung, die in Ratgebertexten oft verrutscht. Der technische Multicheck, beim Anbieter als Multicheck TEK geführt, wird weiterentwickelt und bleibt bestehen. Wer für einen technischen Beruf antritt, ändert seine Planung also nicht. Wer bisher auf den Gewerbe-Test zusteuerte, findet die Details im Artikel zum Wechsel auf den Basic Check.
Der Multicheck: acht Varianten, ein Termin im Testcenter
Der Multicheck ist mit rund 30‘000 Durchführungen pro Jahr das bekannteste Verfahren. Er besteht aus acht Varianten, die je ein Berufsfeld abdecken: Attest für die zweijährige EBA-Lehre, Detailhandel und Service, Gesundheit und Soziales, ICT, Media und Design, Pharma und Chemie, TEK für die technischen Berufe sowie Wirtschaft und Administration. Die Variante bestimmt Preis und Dauer. Attest kostet CHF 60 und dauert rund 1.5 Stunden, Detailhandel und Service kostet CHF 85, die übrigen sechs kosten je CHF 100 und dauern bis zu 3.5 Stunden. Welche Variante zu welchem Beruf gehört, steht in der Übersicht aller acht Varianten mit Preisen.
Der Basic Check: ein Basismodul und wählbare Zusatzmodule
Der Basic Check kostet CHF 100 und dauert je nach Modulwahl 2.5 bis 3.5 Stunden. Er ist berufsneutral aufgebaut. Das Basismodul deckt Deutsch, Mathematik und kognitive Fähigkeiten ab, dazu kommen wählbare Zusatzmodule: Englisch, Französisch, praktisches Technikverständnis, praktisches Problemlösen und digitale Praxiskompetenzen. Inhaltlich orientiert sich der Test am Lehrplanstand Ende der 8. Klasse, in der HarmoS-Zählung also Ende des zehnten Schuljahrs. Die Testperiode läuft wie beim Multicheck von Ende Mai bis Ende Mai des Folgejahres, mit einer Wiederholung pro Zyklus.
Das Stellwerk: zehn Franken und eine Skala, die oft falsch gelesen wird
Das Stellwerk stammt vom Lehrmittelverlag St. Gallen, der Aufgabenpool entsteht zusammen mit der Pädagogischen Hochschule St. Gallen. Es gibt Stellwerk 7, 8 und 9, Grundlage ist der Lehrplan 21. Geprüft werden Mathematik, Deutsch, Französisch und Englisch, seit dem Schuljahr 2023/24 zusätzlich Natur und Technik.
Die Skala reicht von 200 bis 800. Das Stellwerk ist multidimensional-adaptiv: es passt die Aufgabenschwierigkeit laufend an die bisherigen Antworten an, und der Punktwert beschreibt deshalb den Schwierigkeitsgrad der bewältigten Aufgaben, nicht die Anzahl richtiger Antworten. Zwei Jugendliche mit gleich vielen Treffern können unterschiedliche Werte erhalten, weil sie unterschiedlich schwere Aufgaben gelöst haben. Ein Wert von 600 heisst nicht «75 Prozent richtig».
In welchen Kantonen das Stellwerk obligatorisch ist
Das Stellwerk ist in elf Deutschschweizer Kantonen im Einsatz. Obligatorisch ist es nicht überall, und die Lage ändert sich.
| Kanton | Status |
|---|---|
| Zürich | obligatorisch seit dem Schuljahr 2020/21 |
| St. Gallen | obligatorisch |
| Schaffhausen | obligatorisch |
| Thurgau | Obligatorium ab 2025 abgeschafft |
| Bern, Luzern, Obwalden | im Einsatz, Status als Obligatorium nicht verifiziert |
Für die übrigen Einsatzkantone liegt uns keine geprüfte Angabe zum Obligatorium vor, deshalb steht hier keine. Massgebend ist im Zweifel die kantonale Bildungsstelle oder die Schulleitung, und deren Auskunft schlägt jede Ratgeberseite.
Was ein Eignungstest kognitiv eigentlich misst
Hinter den Fächernamen steht eine kleinere Zahl von Fähigkeiten, als die Aufgabenblätter vermuten lassen. Ein Mathematikteil unter Zeitdruck misst mehr als Prozentrechnen: wie schnell die Aufgabe erfasst wird, wie viele Zwischenschritte gleichzeitig im Kopf gehalten werden, und wie verlässlich das über zwanzig Aufgaben hinweg bleibt. Diese drei Dinge, Auffassungstempo, Arbeitsgedächtnis und schlussfolgerndes Denken, tauchen in jedem Testteil wieder auf, im Deutschteil so gut wie im Logikteil.
Deshalb hängen die Resultate einzelner Testteile stärker zusammen, als ihre Bezeichnungen nahelegen: Wer im Logikteil gut abschneidet, ist überdurchschnittlich oft auch im Mathematikteil gut, obwohl der eine Teil keinen Schulstoff enthält und der andere fast nur.
Warum der Logikteil einem Matrizentest ähnelt
Die Logik- und Konzentrationsaufgaben eines Eignungstests folgen denselben Bauprinzipien wie die Aufgaben eines klassischen Matrizentests: Ein Muster wird gezeigt, eine Regel steckt darin, die Regel muss auf einen neuen Fall übertragen werden, und die Zeit läuft mit. Ob die Regel in Figuren, in Zahlenreihen oder in Wortpaaren steckt, ändert an der Anforderung weniger, als es aussieht. Genau deshalb ist der Multicheck zu einem erheblichen Teil ein Test derselben Fähigkeit, die ein Matrizentest misst, nur eingekleidet in Schulstoff und in ein Berufsfeld. Wie diese Aufgaben aufgebaut sind und wie man sie liest, steht in unserer Erklärung zu Matrizenaufgaben.
Wie genau ist ein einzelner Testtag?
Jede Messung hat eine Streuung, und ein zwei- bis dreistündiger Test misst nicht auf den Punkt. Schlaf, Nervosität, ein verpasster Zug, eine Erkältung: solche Dinge verschieben ein Resultat, ohne dass sich an der Person etwas geändert hat. Seriöse Verfahren geben deshalb einen Bereich an, in dem der wahre Wert mit hoher Wahrscheinlichkeit liegt, nicht nur einen einzelnen Punktwert. Für die Praxis heisst das: ein Unterschied von wenigen Punkten zwischen zwei Bewerbenden trägt kein Urteil. Ein deutlicher Abstand über mehrere Testteile hinweg ist aussagekräftiger als ein Ausreisser in einem einzelnen Teil. Wie ein einzelnes Multicheck-Resultat zu lesen ist, steht in Multicheck-Ergebnis verstehen.
Was kein Eignungstest misst
Im Bildungsbericht Schweiz 2026 werden 24 Prozent der EFZ-Lehrverträge vorzeitig aufgelöst. Die Gründe liegen selten dort, wo ein Eignungstest hinschaut. Pünktlichkeit, Sorgfalt, der Umgang mit Kundschaft, Frustrationstoleranz am dritten schwierigen Tag, handwerkliches Geschick, die Passung zwischen Person und Betrieb: nichts davon steht auf dem Zertifikat. Ein Eignungstest beantwortet die Frage, ob die schulischen und kognitiven Voraussetzungen für einen Beruf vorhanden sind, nicht die Frage, ob dieser Beruf der richtige ist. Für die zweite Frage taugen Schnupperlehre und Berufsberatung deutlich besser.
Wer bezahlt den Test?
Beim Multicheck und beim Basic Check zahlt grundsätzlich die bewerbende Person. Viele Lehrbetriebe geben allerdings Gutscheine ab, die den ganzen Betrag decken, und einzelne Gemeinden und Kantone leisten finanzielle Unterstützung. Die Reihenfolge ist deshalb: zuerst im Wunschbetrieb nach einem Gutscheincode fragen, dann bei der regionalen Berufsberatung nachfragen, erst dann selbst buchen. Das Stellwerk läuft über die Schule und kostet die Familie in der Regel nichts. Der Berufs-Check von Yousty ist kostenlos und ortsunabhängig, ersetzt aber kein Testcenter-Zertifikat, wenn der Betrieb ausdrücklich ein solches verlangt.
Die Testperiode bestimmt Ihren Zeitplan
Multicheck und Basic Check laufen in Testperioden, die von Ende Mai bis Ende Mai des Folgejahres reichen. Diese Periode ist der Rahmen für alles Weitere: für die Zahl der möglichen Durchgänge, für den Vermerk bei einer Wiederholung, und für die Frage, ob ein Zertifikat aus dem Vorjahr noch die aktuelle Fassung des Tests abbildet.
Praktisch heisst das dreierlei. Erstens fallen die meisten Durchführungen in die Monate Mai und Juni, und dort dauert die Zertifikatserstellung länger. Zweitens gehört der Testtermin zwei bis drei Wochen vor die Bewerbungsfrist, nicht in die Woche davor. Drittens lohnt sich ein Blick in den Kalender, bevor Sie einen zweiten Durchgang planen: liegen die beiden Versuche in derselben Periode, erscheint ein Vermerk auf dem Zertifikat.
Welches Verfahren in welcher Situation?
| Situation | Sinnvolles Verfahren |
|---|---|
| Der Betrieb verlangt ausdrücklich ein Zertifikat | Multicheck in der Variante des Berufsfelds |
| Gewerbliche Berufe, Bewerbung ab Mai 2026 | Basic Check |
| Noch unklar, welche Richtung es wird | Basic Check, weil berufsneutral |
| Standortbestimmung in der Schule | Stellwerk, läuft über die Schule |
| Erste Orientierung ohne Kosten | Berufs-Check |
Was Sie in den vier Wochen vor dem Termin tun
In Woche eins arbeiten Sie das kostenlose Vorbereitungstool des Anbieters einmal komplett durch, damit am Testtag keine Instruktion neu ist. In Woche zwei nehmen Sie sich den Mathematikstoff der 8. Klasse vor, konkret Bruch- und Prozentrechnen, Dreisatz, Flächen und Volumen, und rechnen pro Tag zwanzig Minuten mit der Stoppuhr statt in Ruhe. In Woche drei lesen Sie täglich einen längeren Sachtext und fassen ihn in drei Sätzen zusammen, das trainiert den Leseverständnisteil. Woche vier gehört dem Ablauf: Anreise klären, Ausweis bereitlegen, zwei Nächte vorher normal schlafen. Was sonst noch wirkt und was nicht, steht im Artikel Multicheck üben.
Wenn Sie das Aufgabenformat kennenlernen wollen, das hinter den Logikteilen steckt, können Sie unseren kostenlosen Test durchlaufen. Er ersetzt kein Eignungszertifikat und will das auch nicht, aber er zeigt in 25 Minuten, wie sich diese Art von Aufgaben anfühlt.
Häufige Fragen
Welcher Eignungstest wird für eine Lehrstelle in der Schweiz verlangt?
Das hängt vom Lehrbetrieb und vom Beruf ab. Am häufigsten verlangt wird ein Multicheck-Zertifikat, das die bewerbende Person selbst bucht und bezahlt. Das Stellwerk führt die Schule durch, es ist kein Bewerbungstest, wird aber oft mit eingereicht. Ab der Testperiode 2026/2027 ersetzt der Basic Check den bisherigen Multicheck Gewerbe. Wer unsicher ist, fragt direkt im Wunschbetrieb nach, welches Zertifikat erwartet wird.
Was kostet ein Eignungstest für die Lehrstelle?
Der Multicheck kostet je nach Variante CHF 60 für den Attest-Test, CHF 85 für Detailhandel und Service und CHF 100 für alle übrigen Berufsfelder. Der Basic Check kostet CHF 100. Das Stellwerk kostet CHF 10 pro Schülerin oder Schüler und wird über die Schule abgerechnet. Der Berufs-Check von Yousty ist kostenlos. Viele Lehrbetriebe übernehmen die Kosten für den Multicheck per Gutschein.
Ist das Stellwerk dasselbe wie der Multicheck?
Nein. Das Stellwerk ist ein schulisches Standortbestimmungsverfahren auf Basis des Lehrplans 21, das die Schule in der 7., 8. oder 9. Klasse durchführt und das CHF 10 kostet. Der Multicheck ist eine kostenpflichtige Eignungsabklärung in einem Testcenter, die auf ein Berufsfeld zugeschnitten ist und CHF 60 bis 100 kostet. Die beiden Verfahren haben unterschiedliche Auftraggeber, unterschiedliche Skalen und unterschiedliche Zwecke.
Wie oft kann man einen Eignungstest wiederholen?
Beim Multicheck sind innerhalb einer Testperiode, die von Ende Mai bis Ende Mai läuft, zwei Durchgänge pro Berufsfeld möglich. Ein zweiter Durchgang innerhalb derselben Periode wird auf dem Zertifikat vermerkt. Ein abgebrochener Test zählt als Versuch. Wer den Vermerk vermeiden will, muss die beiden Versuche in verschiedene Testperioden legen und mindestens drei Monate Abstand einhalten.
Sagt ein Eignungstest voraus, ob jemand die Lehre besteht?
Er misst einen Ausschnitt, nicht die ganze Person. Ein Eignungstest erfasst an einem einzelnen Tag Schulwissen und kognitive Leistungsmerkmale wie Auffassungstempo, Arbeitsgedächtnis und schlussfolgerndes Denken. Sorgfalt, Zuverlässigkeit, handwerkliches Geschick und der Umgang mit Kundschaft kommen darin nicht vor, obwohl genau diese Merkmale im Lehralltag zählen. Deshalb wiegt die Schnupperlehre bei vielen Betrieben schwerer als das Zertifikat.
Was hat ein Eignungstest mit einem IQ-Test zu tun?
Die Logik- und Konzentrationsteile eines Eignungstests arbeiten mit denselben Aufgabenformaten wie ein klassischer Matrizentest: eine Regel erkennen, sie auf einen neuen Fall anwenden, unter Zeitdruck. Der Unterschied liegt in der Einkleidung. Der Eignungstest verpackt diese Aufgaben in Schulstoff und in ein Berufsfeld, ein Matrizentest verzichtet auf jeden Inhalt. Gemessen wird in beiden Fällen zu einem erheblichen Teil dieselbe Fähigkeit.
Quellen
- gateway.one, Multicheck Übersicht und Varianten, abgerufen 2026-09-13
- gateway.one, Basic Check, abgerufen 2026-09-13
- gateway.one, häufige Fragen zu Wiederholung, Zertifikat und Kosten, abgerufen 2026-09-13
- Stellwerk, Lehrmittelverlag St. Gallen, abgerufen 2026-09-13
- Yousty, Berufs-Check, abgerufen 2026-09-13
- SKBF, Bildungsbericht Schweiz 2026, abgerufen 2026-09-13
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