Schlechter Multicheck: wiederholen oder nicht?
Der Multicheck ist pro Berufsfeld zweimal möglich. Was auf dem zweiten Zertifikat vermerkt wird, wann sich ein Zweitversuch lohnt und wann er nur Geld kostet.
Das Zertifikat ist da, und die Zahlen sind tiefer als erhofft. Die erste Frage lautet fast immer: Darf ich das wiederholen. Die schwierigere Frage lautet: Bringt es etwas, und was steht danach auf dem Papier, das beim Lehrbetrieb landet.
Diese zweite Frage wird selten ehrlich beantwortet, weil die meisten Seiten zum Thema von Anbietern stammen, die Vorbereitungskurse verkaufen. Kognita verkauft keine Kurse. Die folgenden Regeln stehen so in den offiziellen Antworten des Testanbieters, nachgeschlagen am 13. September 2026.
Die Regel in einem Satz
Die Multicheck Eignungsanalysen können von einer Person innerhalb einer Testperiode pro Berufsfeld zweimal durchgeführt werden. Die Testperiode läuft von Ende Mai bis Ende Mai des folgenden Jahres. Zwei Durchführungen heisst: ein Erstversuch und eine Wiederholung.
Eine Mindestwartezeit gibt es nicht. Man könnte den Test am nächsten freien Termin wiederholen. Die Gebühr fällt erneut vollständig an, weil eine komplett neue Durchführung und Auswertung stattfindet. Je nach Variante sind das CHF 60 für Attest, CHF 85 für Detailhandel und Service oder CHF 100 für die übrigen sechs Varianten.
Damit ist die Frage «darf ich» beantwortet.
Die Regel gilt pro Berufsfeld, nicht pro Person. Wer die Eignungsanalyse Wirtschaft und Administration zweimal abgelegt hat, hat sein Kontingent in diesem Feld ausgeschöpft, in einem anderen Feld aber noch keinen Versuch verbraucht.
Was auf dem zweiten Zertifikat steht
Auf dem Ergebnisbericht der zweiten Durchführung wird das Gesamtresultat der ersten Durchführung vermerkt, nicht nur die Tatsache, dass es einen ersten Versuch gab.
Ein Lehrbetrieb, der dieses Zertifikat erhält, sieht also beide Zahlen nebeneinander. Er sieht damit auch, ob sich zwischen den beiden Terminen etwas bewegt hat. Das kann in beide Richtungen wirken.
Ebenso wichtig: Abgebrochene Testungen zählen als Durchführung. Unbearbeitete Aufgaben werden auf null gesetzt, und das Zertifikat wird normal zugestellt. Wer mitten im Test aufgibt, hat seinen Erstversuch verbraucht und trägt dessen Resultat in den Vermerk des Zweitversuchs. Wenn während der Durchführung etwas nicht stimmt, sprechen Sie das vor Ort mit der Testleitung an.
Die eine dokumentierte Ausnahme
Es gibt einen Weg ohne Vermerk, und er ist eng. Der Anbieter nennt zwei Bedingungen, die beide erfüllt sein müssen: Die beiden Durchführungen müssen in unterschiedlichen Testperioden stattfinden, und es müssen mindestens drei Monate dazwischen liegen.
| Abstand und Zeitpunkt | Vermerk auf dem zweiten Zertifikat |
|---|---|
| beide in derselben Testperiode | ja, mit dem Gesamtresultat des ersten Versuchs |
| verschiedene Testperioden, weniger als drei Monate Abstand | ja |
| verschiedene Testperioden, mindestens drei Monate Abstand | nein |
Der Anbieter führt selbst ein Beispiel an: Wer im April einer Testperiode antritt und im darauffolgenden Juni erneut, wechselt zwar die Testperiode, liegt aber unter drei Monaten. Der Vermerk erscheint.
Warum dieser Weg in der Praxis oft nicht offensteht
Lehrbetriebe fragen bei Bewerbungen für den Lehrbeginn im August üblicherweise nach einem Zertifikat jener Multicheck-Version, die seit Beginn der Testperiode ab Mitte Mai des Vorjahres läuft. Ein Zertifikat aus einer älteren Testperiode ist damit für die laufende Bewerbungsrunde häufig nicht das, was verlangt wird.
Wer also im Herbst ein schwaches Resultat erhält und bis nach dem nächsten Ende Mai wartet, um den Vermerk zu vermeiden, verschiebt die Bewerbung faktisch um einen Jahrgang. Für die meisten ist das keine echte Option. Praktisch heisst das: Wer im laufenden Bewerbungsjahr wiederholt, bekommt den Vermerk. Diese Rechnung sollte man vor der Anmeldung machen, nicht danach.
Anders sieht die Rechnung aus, wenn Sie den Test früh gemacht haben und die eigentliche Bewerbungsrunde noch vor Ihnen liegt. Dann ist genug Zeit, um beide Bedingungen einzuhalten: verschiedene Testperioden und mindestens drei Monate Abstand.
Wann eine Wiederholung sich rechnet
Die entscheidende Frage ist nicht, ob der Vermerk erscheint, sondern ob der zweite Wert deutlich anders ausfallen wird. Der Test dauert je nach Berufsfeld 1.5 bis 3.5 Stunden und deckt mehrere Aufgabengebiete ab. Diese Breite sorgt laut Anbieter dafür, dass ein einzelner schwacher Moment das Gesamtergebnis weniger stark beeinflusst als bei einer kurzen Prüfung.
| Ausgangslage | Einschätzung |
|---|---|
| Test wegen Krankheit oder technischer Störung abgebrochen | Wiederholung meist sinnvoll, Vorfall vorher mit dem Anbieter klären |
| Aufgabenformate haben überrascht, Zeit falsch eingeteilt | Wiederholung kann etwas bringen, Vorbereitungstool vorher durcharbeiten |
| Ergebnis knapp unter dem Anforderungsprofil, Gesamtbild sonst stimmig | zuerst mit dem Wunschbetrieb sprechen, oft ist das Ergebnis kein Ausschluss |
| Ergebnis in mehreren Gebieten deutlich unter dem Profil | Wiederholung ändert selten viel, Berufsfeld überdenken |
| Falsches Berufsfeld gewählt | erste Durchführung im passenden Feld statt Wiederholung im falschen |
Der Anbieter verweist auf ein zweijähriges Forschungsprojekt mit Prof. Dr. Martin Kersting von der Universität Giessen, in dem sich nur ein schwacher Zusammenhang zwischen Multicheck-Ergebnis und Prüfungsängstlichkeit zeigte. Das ist ein Argument gegen die verbreitete Annahme, ein einzelner nervöser Tag erkläre das ganze Resultat.
Drei Fragen vor der zweiten Anmeldung
Bevor Sie einen Termin buchen, lohnt sich eine halbe Stunde mit dem Zertifikat auf dem Tisch. Die Entscheidung wird dadurch selten schwieriger und oft billiger.
Erstens: Was genau war schwach. Ein einzelner tiefer Bereichswert bei sonst stimmigem Bild hat eine andere Bedeutung als ein durchgehend tiefes Profil. Bereichswerte sind Prozentränge im Vergleich zur Normstichprobe, die Gesamtpassung ist zusätzlich nach dem Anforderungsprofil des Berufs gewichtet. Ein tiefer Wert in einem Gebiet, das für Ihren Wunschberuf kaum zählt, drückt die Gesamtpassung nur wenig.
Zweitens: Ist das Berufsfeld richtig gewählt. Der Multicheck misst gegen die Anforderungen einer bestimmten Berufsgruppe. Wer sich für ein Feld hat einreden lassen, das nicht passt, wiederholt sonst denselben Fehler zum zweiten Mal.
Drittens: Was sagt der Wunschbetrieb. Ein Anruf oder eine Mail an die Person, die in diesem Betrieb die Lehrstellen vergibt, kostet nichts. Manche Betriebe nennen ihre Erwartung offen, andere gewichten das Zertifikat ohnehin gering.
Was ein zweiter Anlauf kostet
Die Gebühr fällt beim zweiten Mal vollständig an, weil eine komplett neue Durchführung und Auswertung stattfindet. Über beide Termine gerechnet ergibt das:
| Variante | Einmal | Zweimal |
|---|---|---|
| Attest (EBA) | CHF 60 | CHF 120 |
| Detailhandel und Service | CHF 85 | CHF 170 |
| Gesundheit und Soziales, ICT, Media und Design, Pharma und Chemie, TEK, Wirtschaft und Administration | CHF 100 | CHF 200 |
Viele Lehrbetriebe übernehmen die Kosten und stellen dafür einen Gutschein aus. Fragen Sie direkt beim Unternehmen nach, bei dem Sie sich bewerben. Einige Gemeinden und Kantone unterstützen Eignungsabklärungen ebenfalls finanziell; Auskunft geben die Wohngemeinde und die Berufsberatung. Ob ein Gutschein auch für eine Wiederholung gilt, entscheidet der Betrieb.
Die Annullierung ist bis 72 Stunden vor dem Termin gratis. Danach werden 50 Prozent verrechnet, später der volle Betrag. Wer krank wird, meldet sich deshalb besser früh ab, statt anzutreten und den Versuch zu verbrauchen.
Was ein schwaches Ergebnis bedeutet und was nicht
Der Anbieter formuliert es selbst klar: Wenn Ergebnisse niedriger ausfallen als erwünscht, ist dies nicht automatisch ein Grund für eine abgelehnte Bewerbung. Der Entscheid über die Aufnahme liegt immer im Ermessen des einstellenden Lehrbetriebs. Umgekehrt gilt dasselbe, ein gutes Ergebnis ist keine Garantie.
Der Multicheck ist ein Baustein im Bewerbungsprozess, nicht der Entscheidungsfaktor. Der Anbieter empfiehlt Lehrbetrieben ausdrücklich, den Test nicht als alleiniges Auswahlkriterium einzusetzen, sondern zusammen mit einer Schnupperlehre, einem strukturierten Interview und den Schulzeugnissen zu betrachten. Ein starker Schnuppereinsatz und ein überzeugendes Gespräch wiegen bei vielen Betrieben schwerer als ein paar Prozentränge.
Was ein tiefes Ergebnis ebenfalls nicht ist: eine Aussage über Sie als Person oder über Ihre Zukunft. Es ist die Leistung an einem Vormittag, gemessen gegen die Anforderungen eines bestimmten Berufsbilds.
Wiederholen in einem anderen Berufsfeld
Die Zählung der Durchführungen läuft pro Berufsfeld. Es gibt acht Varianten, von Attest über Detailhandel und Service, Gesundheit und Soziales, ICT, Media und Design, Pharma und Chemie, TEK bis Wirtschaft und Administration. Eine erste Durchführung in einem anderen Berufsfeld ist deshalb ein eigener Erstversuch.
Das ist keine Umgehung des Vermerks. Sie bewerben sich damit in einem anderen Feld. Sinnvoll ist der Schritt nur, wenn die Berufe dieses Feldes Sie tatsächlich interessieren. Wer unsicher ist, welches Feld passt, sollte vor der nächsten Anmeldung mit der kantonalen Berufsberatung sprechen, die kostenlos berät. Den konkreten Fall klären Sie vor der Anmeldung direkt beim Anbieter.
Zur Einordnung: Der Multicheck kennt keine Ausrichtung der Auswertung auf verschiedene Schulniveaus. Ein Wechsel des Berufsfelds ändert nur, welche Anforderungen zum Vergleich herangezogen werden. Der Massstab selbst bleibt gleich.
Vorbereiten statt wiederholen
Der Testanbieter rät von Vorbereitungskursen ab, weil sie nicht von ihm durchgeführt werden und oft viel Geld kosten. Empfohlen wird, den Schulstoff des achten Schuljahrs zu repetieren und das kostenlose Vorbereitungstool zu nutzen, das für sämtliche Aufgabengebiete die realen Instruktionen, die realen Beispielaufgaben und einige realitätsnahe Übungsaufgaben enthält.
Wer wissen will, wie die typischen Aufgabentypen aufgebaut sind, findet in Matrizen-Aufgaben verstehen die Logik hinter den figuralen Reihen. Wie ein Multicheck-Zertifikat Zeile für Zeile zu lesen ist, steht in Multicheck-Ergebnis lesen. Und wer vorher ohne Kosten ausprobieren will, wie sich eine Testsituation mit Zeitlimit anfühlt, kann den kostenlosen Test machen. Er ersetzt keine fachliche Abklärung und keinen Multicheck.
Häufige Fragen
Wie oft darf man den Multicheck wiederholen?
Innerhalb einer Testperiode, die von Ende Mai bis Ende Mai des Folgejahres läuft, sind pro Berufsfeld zwei Durchführungen möglich. Das entspricht einem Erstversuch und einer Wiederholung. Eine Mindestwartezeit zwischen den beiden Terminen gibt es nicht, man könnte den Test also am nächsten freien Termin erneut ablegen. Die Gebühr fällt beim zweiten Mal vollständig erneut an, weil eine komplett neue Durchführung und Auswertung stattfindet.
Sieht der Lehrbetrieb, dass ich den Multicheck wiederholt habe?
Wenn beide Durchführungen in dieselbe Testperiode fallen, ja. Auf dem Ergebnisbericht der zweiten Durchführung wird das Gesamtresultat der ersten Durchführung vermerkt. Der Lehrbetrieb sieht dann nicht nur, dass Sie den Test zweimal gemacht haben, sondern auch, wie das erste Mal ausgefallen ist. Ohne Vermerk geht es nur, wenn die beiden Durchführungen in unterschiedliche Testperioden fallen und mindestens drei Monate dazwischen liegen.
Zählt ein abgebrochener Test als Durchführung?
Ja. Abgebrochene Testungen zählen als Durchführung. Die unbearbeiteten Aufgaben werden auf null gesetzt, und das Zertifikat wird ganz normal zugestellt. Das Resultat einer nicht beendeten Testung erscheint damit auch als Vermerk auf dem Zertifikat einer zweiten Durchführung im selben Berufsfeld. Wer während des Tests merkt, dass etwas nicht stimmt, sollte das vor Ort mit der Testleitung klären statt einfach abzubrechen.
Bin ich mit einem schwachen Multicheck aus dem Rennen?
Nicht automatisch. Der Anbieter hält ausdrücklich fest, dass ein Ergebnis unterhalb des gewünschten Bereichs kein automatischer Grund für eine abgelehnte Bewerbung ist und dass der Entscheid immer im Ermessen des Lehrbetriebs liegt. Umgekehrt ist ein Ergebnis im gewünschten Bereich auch keine Garantie für eine Zusage. Schnupperlehre, Gespräch, Motivation und Zeugnisse zählen weiter.
Bringt ein Vorbereitungskurs vor dem zweiten Versuch etwas?
Der Anbieter selbst rät von Vorbereitungskursen ab, mit der Begründung, dass sie nicht von ihm durchgeführt werden und oft viel Geld kosten. Empfohlen wird stattdessen, den Schulstoff des achten Schuljahrs zu repetieren und das kostenlose Vorbereitungstool auf der Anbieterseite zu nutzen, das die realen Instruktionen und Aufgabenformate enthält.
Kann ich stattdessen den Multicheck in einem anderen Berufsfeld machen?
Die Zählung läuft laut Anbieter pro Berufsfeld. Eine erste Durchführung in einem anderen Berufsfeld ist damit ein eigener Erstversuch und trägt keinen Vermerk aus einem anderen Feld. Sinnvoll ist dieser Weg aber nur, wenn Sie sich tatsächlich für Berufe aus diesem zweiten Feld bewerben. Klären Sie den konkreten Fall vor der Anmeldung direkt beim Anbieter ab.
Quellen
- gateway.one, Häufig gestellte Fragen zu den Multicheck Eignungsanalysen, abgerufen 2026-09-13
- gateway.one, Multicheck Eignungsanalysen: Varianten, Dauer und Preise, abgerufen 2026-09-13
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