Kognita Der Schweizer IQ-Test

Stellwerk 8: was die Skala 200 bis 800 wirklich bedeutet

Stellwerk misst nicht, wie viele Aufgaben Sie richtig hatten, sondern wie schwer die gelösten waren. Was die Skala 200 bis 800 aussagt und was Üben bringt.

Nach dem Stellwerktest fällt in jedem Schulzimmer derselbe Satz: «Ich hatte etwa die Hälfte richtig.» Beim Stellwerk ist dieser Satz bedeutungslos. Er beschreibt nichts, was der Test misst, und er sagt nichts darüber, ob das Ergebnis gut oder schlecht ausfällt. Fast alle liegen bei etwa der Hälfte, unabhängig davon, wie stark sie sind.

Der Grund liegt darin, wie der Test gebaut ist. Wer diesen einen Mechanismus verstanden hat, liest sein Stellwerk-Profil danach richtig und fällt auch bei anderen Eignungstests nicht mehr auf die gleiche Fehldeutung herein.

Was Stellwerk ist und wer dahintersteht

Stellwerk ist eine Standortbestimmung für die Sekundarstufe I, herausgegeben vom Lehrmittelverlag St. Gallen. Geprüft werden Mathematik, Deutsch, Französisch und Englisch, seit dem Schuljahr 2023/24 zusätzlich Natur und Technik mit den Bereichen Physik, Chemie und Biologie. Testgrundlage ist der Lehrplan 21: Auf Basis der überprüfbaren Kompetenzstufen wurde der Aufgabenpool entwickelt und anschliessend normiert.

Es gibt Stellwerk 7, 8 und 9. Die Standortbestimmung kann einmal jährlich durchgeführt werden. Ein Test pro Fach kostet CHF 10.00 pro Lernende. Organisiert wird das Ganze von der Schule, nicht von der Familie. In welchen Kantonen die Durchführung verbindlich ist, steht in der Kantonsübersicht zum Stellwerktest.

Stellwerk ist keine Prüfung mit Bestehensgrenze und keine Note, sondern ein Förderinstrument, das laut Anbieter in der Selbstverantwortung der Jugendlichen konzipiert wurde.

Adaptiv heisst: der Test verändert sich, während Sie ihn machen

Die Interpretationshilfe des Anbieters hält fest: Im Unterschied zu traditionellen Tests beeinflusst das Lösungsverhalten der Lernenden den Testverlauf. Nach jeder bearbeiteten Aufgabe schätzt der Testalgorithmus die Fähigkeit der Schülerin oder des Schülers und legt dann passende Aufgaben vor, also weder deutlich zu leichte noch zu schwierige.

Ein Bild dafür ist der Hochsprung. Die Latte liegt am Anfang auf einer mittleren Höhe. Wer übersteht, springt als Nächstes höher. Wer reisst, bekommt die Latte tiefer. Am Ende zählt nicht, wie viele Sprünge gelungen sind, sondern auf welcher Höhe die Grenze lag. Genau das gibt der Punktwert an.

Daraus folgt: Ein starkes und ein schwaches Ergebnis entstehen aus ungefähr demselben Anteil richtiger Antworten. Beide Jugendlichen wurden so lange nach oben oder unten korrigiert, bis die Aufgaben zu ihnen passten. Passend heisst hier ungefähr: gerade noch lösbar.

Warum «die Hälfte richtig» nichts aussagt

Ein konstruiertes Beispiel macht es greifbar. Zwei Jugendliche derselben Klasse, gleiches Fach, gleiches Gefühl nach dem Test.

Lena Tim
Anteil gelöster Aufgaben etwa die Hälfte etwa die Hälfte
Schwierigkeit der vorgelegten Aufgaben stieg nach den ersten Aufgaben deutlich blieb im unteren Mittelfeld
Was gemessen wurde die Grenze liegt hoch die Grenze liegt tiefer
Punktwert im Profil hoch tiefer

Die Tabelle ist eine Veranschaulichung, keine Messung. Sie zeigt aber, warum der Vergleich «wie viele hattest du» auf dem Pausenplatz ins Leere läuft: Die beiden haben nicht denselben Test gemacht. Sie haben denselben Aufgabenpool benutzt, aber unterschiedliche Aufgaben daraus vorgelegt bekommen.

Multidimensional heisst: die Bereiche helfen einander

Der zweite Teil des Verfahrens wird noch seltener erklärt. In der multidimensionalen Testung werden abwechselnd Aufgaben aus den einzelnen Kompetenzbereichen vorgelegt. Daraus entstehen ein Wert je Kompetenzbereich und ein Gesamtwert des Fachs, und dieser Gesamtwert ist ausdrücklich kein Mittelwert der Kompetenzbereiche.

Der Testalgorithmus kann aus der Bearbeitung einer Aufgabe in einem Bereich auch Rückschlüsse auf die Fähigkeit in den anderen Kompetenzbereichen ziehen. Wer in «Zahl und Variable» sicher rechnet, gilt auch in «Form und Raum» zunächst als eher stark, bis Aufgaben dort etwas anderes zeigen. Der Anbieter bezeichnet die Messung deshalb als sehr effizient und genau.

Praktisch heisst das: Sie können den Gesamtwert nicht aus den Bereichswerten nachrechnen, und ein Fehler in einem Bereich wirkt sich anders aus, als eine Notenlogik vermuten lässt.

Warum der Test nicht bei allen gleich lang ist

Auch die Testlänge ergibt sich aus demselben Prinzip. Die Messungenauigkeit wird mit jeder bearbeiteten Aufgabe kleiner. Ist eine bestimmte Testgenauigkeit erreicht, wird der Test beendet.

Wer gleichmässig antwortet, erreicht diese Genauigkeit früher. Wer schwankt, also schwere Aufgaben löst und leichte verpasst, braucht mehr Aufgaben, bis der Algorithmus sich sicher genug ist. Eine längere Sitzung ist deshalb kein schlechtes Zeichen und eine kürzere kein gutes. Sie sagt nur etwas darüber, wie eindeutig das Lösungsverhalten war.

Praktisch folgt daraus zweierlei. Es bringt nichts, schnell fertig werden zu wollen: Der Test endet erst, wenn die Messung genau genug ist. Und es bringt nichts, bei einer schweren Aufgabe zu raten, um weiterzukommen: Eine geratene richtige Antwort zwischen zwei Fehlern macht das Bild uneindeutiger, und der Test legt dann eher mehr Aufgaben vor als weniger.

Die Skala 200 bis 800, und woher sie kommt

Die Ergebnisse werden auf einer Skala von 200 bis 800 Punkten abgebildet, und diese Werteskala bildet den gesamten dritten Zyklus ab. Das Bezugssystem ist eine breite Normierung bei Schülerinnen und Schülern der 8. Klassen der Kantone St. Gallen und Zürich. Die Verteilung der Testergebnisse dieser Referenzpopulation entspricht einer Normalverteilung.

Angabe Was der Anbieter belegt
Skalenbereich 200 bis 800 Punkte, deckt den gesamten 3. Zyklus ab
Referenzpopulation 8. Klassen der Kantone St. Gallen und Zürich
Form der Verteilung entspricht einer Normalverteilung
Mitte in Mathematik, 8. Klasse die Hälfte liegt zwischen 200 und 511 Punkten
Beispiel aus der Interpretationshilfe 542 Punkte gelten als etwas höher als der Durchschnitt

Zwei Dinge folgen daraus. Erstens: Ein Wert ohne Fach und ohne Klassenstufe ist nicht interpretierbar, weil die Skala die ganze Sekundarstufe I abdeckt, die Normierung aber an 8. Klassen erfolgte. Zweitens: Die Mitte liegt nicht bei 500, sondern dort, wo die Interpretationshilfe sie für das jeweilige Fach ausweist. Diese Hilfen stehen auf lernpassplus.ch und stellwerk.ch.

Kann man Stellwerk üben, und was bringt es

Auf stellwerk.ch stehen für Mathematik, Deutsch, Französisch, Englisch und Natur und Technik Beispielaufgaben bereit. Der Kanton Luzern formuliert die Erwartung nüchtern: In der 2. Klasse genügen Beispielaufgaben zur Vorbereitung, Lernpass plus dient vor allem in der 3. Klasse auch der Förderung.

Was etwas bringt Was nichts bringt
Beispielaufgaben durchklicken, um Format und Bedienung zu kennen Aufgaben auswendig lernen, der Pool ist zu gross und wird adaptiv gewählt
Ruhig und konzentriert starten, weil die ersten Aufgaben die Richtung setzen Taktisch raten, das verlängert nur die Messung
Mit Orientierungstests und Aufgabensets in Lernpass plus gezielt an Lücken arbeiten ein bezahlter Vorbereitungskurs für einen Test, der CHF 10.00 kostet
Den Lehrplan-21-Stoff des laufenden Jahres nacharbeiten Prüfungstricks suchen, die es bei adaptiven Verfahren nicht gibt

Kognita verkauft keine Vorbereitungskurse und hat deshalb keinen Anlass, das Üben grösser zu machen, als es ist: Format kennen nimmt etwas Nervosität, echte Kompetenz hebt den Punktwert.

Drei Sätze nach dem Test und was sie wert sind

Die Gespräche nach einem Stellwerktest drehen sich fast immer um dieselben drei Aussagen. Alle drei entstehen aus der Gewohnheit, einen Test wie eine Prüfung zu lesen.

Was gesagt wird Was daran nicht stimmt
«Ich hatte die Hälfte richtig.» Bei einem adaptiven Test landen fast alle bei etwa der Hälfte, unabhängig vom Ergebnis.
«Am Schluss kamen nur noch schwere Aufgaben, ich war schlecht.» Schwerer werdende Aufgaben sind das Gegenteil davon. Der Algorithmus hebt die Latte, weil Sie übersprungen haben.
«Mein Freund war früher fertig, der ist besser.» Die Testlänge hängt daran, wie schnell die geforderte Genauigkeit erreicht ist, nicht am Niveau.

Vom Profil zum Ziel

Die Werte in den Kompetenzbereichen lassen sich den Kompetenzniveaus der Orientierungstests zuordnen, und zu jedem Niveau gibt es eine Beschreibung dessen, was jemand auf dieser Stufe kann.

Der Anbieter zeigt das an einem Beispielschüler, der in Mathematik 542 Punkte erreicht, seinen Wunschberuf in Jobskills auswählt und dort sieht, dass in zwei Kompetenzbereichen ein höheres Niveau erwartet wird. Er trägt sein Ziel auf einem Ausdruck des Profils ein und arbeitet mit Orientierungstests und Aufgabensets darauf hin. Stellwerk dient so als Ausgangspunkt für eine Zielsetzung.

Was das Profil nicht aussagt

Der Anbieter ist an dieser Stelle deutlicher als die meisten Ratgeberseiten. Die Stellwerk-Profile stellen eine Momentaufnahme dar, erlauben eine vorsichtige Einordnung der bisher erbrachten schulischen Leistungen, treffen aber keine Aussagen über künftige Leistungen und Erfolge der Schülerinnen und Schüler.

Die Begründung dafür ist im selben Dokument nachzulesen: Junge Menschen befinden sich in einer dynamischen Entwicklung und sind von einer Umwelt beeinflusst, die positiv wie negativ wirken kann. Schule, Elternhaus und soziales Umfeld gehören dazu. Ein Punktwert vom Frühling der 8. Klasse ist damit eine Standortangabe.

Ebenso wenig sagt das Profil etwas über Anstrengungsbereitschaft, Zuverlässigkeit oder Motivation aus, also über genau jene Eigenschaften, auf die Lehrbetriebe in der Schnupperlehre achten.

Dieselbe Logik steckt in jedem sauber gebauten Test

Das Verfahren hinter Stellwerk hat einen Namen: Item-Response-Theorie. Jede Aufgabe trägt eine bekannte Schwierigkeit. Aus der Kombination von gelösten und nicht gelösten Aufgaben lässt sich schätzen, wo die Fähigkeit einer Person liegt. Die Anzahl richtiger Antworten ist dabei nur ein Zwischenschritt.

Genau darauf beruht auch der kostenlose Test von Kognita: Jede Aufgabe hat eine hinterlegte Schwierigkeit, und das Ergebnis ist eine Position in einer Referenzverteilung. Er ist eine Selbsteinschätzung und ersetzt weder Stellwerk noch eine fachliche Abklärung. Wer sehen will, wie eine solche Aufgabe von innen aussieht, findet die Regeln hinter den figuralen Reihen in Matrizen-Aufgaben verstehen. Und wer den Stellwerk-Wert in den grösseren Zusammenhang der Lehrstellensuche stellen will, liest die Übersicht zu Eignungstests für die Lehrstelle.

Häufige Fragen

Was bedeutet die Skala von 200 bis 800 beim Stellwerk?

Die Werte auf der Skala von 200 bis 800 bilden den gesamten dritten Zyklus ab, also die Sekundarstufe I insgesamt. Das Bezugssystem ist eine breite Normierung bei Schülerinnen und Schülern der 8. Klassen der Kantone St. Gallen und Zürich, deren Testergebnisse einer Normalverteilung entsprechen. Ein Punktwert ist damit keine Prozentangabe und keine Note, sondern eine Position innerhalb dieser Referenzverteilung.

Wie viele Punkte sind beim Stellwerk 8 ein guter Wert?

Ein belegter Anhaltspunkt kommt aus der Interpretationshilfe des Anbieters: In Mathematik erreicht die Hälfte aller Schülerinnen und Schüler der 8. Klasse einen Wert zwischen 200 und 511 Punkten. Die Mitte liegt dort also bei rund 511. Der Anbieter bezeichnet im selben Dokument ein Ergebnis von 542 Punkten als etwas höher als der Durchschnitt. Für die übrigen Fächer gelten eigene Werte, die in der Interpretationshilfe auf lernpassplus.ch stehen.

Warum sagt die Anzahl richtiger Antworten beim Stellwerk nichts aus?

Weil der Test adaptiv ist. Nach jeder bearbeiteten Aufgabe schätzt der Algorithmus die Fähigkeit und legt dann passende Aufgaben vor, die weder deutlich zu leicht noch zu schwierig sind. Wer gut abschneidet, bekommt schwerere Aufgaben und liegt am Ende trotzdem wieder bei etwa der Hälfte richtig. Gemessen wird der Schwierigkeitsgrad der bewältigten Aufgaben, nicht deren Anzahl.

Warum war der Test bei mir kürzer als bei anderen?

Die Messungenauigkeit wird mit jeder bearbeiteten Aufgabe kleiner. Ist eine bestimmte Testgenauigkeit erreicht, wird der Test beendet. Wer sehr gleichmässig antwortet, erreicht diese Genauigkeit früher als jemand mit schwankendem Lösungsverhalten. Eine unterschiedliche Länge ist deshalb kein Hinweis auf ein besseres oder schlechteres Ergebnis.

Kann man den Stellwerktest üben?

Auf stellwerk.ch stehen für alle Fächer Beispielaufgaben zur Verfügung, mit denen sich die Aufgabenformate und die Bedienung kennenlernen lassen. Der Kanton Luzern hält fest, dass in der 2. Klasse Beispielaufgaben zur Vorbereitung genügen. Weil der Test Kompetenzen aus dem Lehrplan 21 prüft, ist alles andere gewöhnliche Schularbeit. Einen Trick, der den Punktwert hebt, ohne dass die Kompetenz dahintersteht, gibt es bei einem adaptiven Verfahren nicht.

Wie oft kann man Stellwerk durchführen?

Die Standortbestimmung kann von den Lernenden einmal jährlich durchgeführt werden. Daraus ergeben sich über die Sekundarstufe I die Durchgänge Stellwerk 7, 8 und 9. Ein Test pro Fach kostet CHF 10.00 pro Lernende, und organisiert wird er von der Schule innerhalb des kantonalen Zeitfensters.

Wie hoch ist Ihr eigener Wert? 30 Aufgaben, 25 Minuten, kostenlos und ohne Anmeldung. Test starten.